zu Basel I und Basel II
  • Hallo,

    ich hätte eine Frage. Folgende Aussage in einem "Wissenschaftlichen Buch" (Der Preis des Geldes, Christina von Braun, S.24)

    "In der moderneen Finanzwissenschaft sind die Spuren der babylonischen Verhältnisse bis heute spürbar. 1988 wurde in dem sogenannten Basel-I-Abkommen festgelegt, dass Banken für alle Kreditgeschäfte eine Eigenkapitalrücklage von mindestens 8,4 Prozent vorweisen müssen. Warum ausgerechnet 8,4 Prozent? Das sind "Erfahrungswerte", ist die geläufige Erklärung. Das Verhältnis von Eigenkapital und Finanzvolumen der Bank entspricht aber ziemlich genau dem "sakralen" Wechselverhältnis von Gold und Silber: 1:13. Könnte es sich also um "Erfahrungswerte" handeln, die schon von babylonischen Priestern festgelegt wurden? Heute bilden die Eigenkapitalrücklagen der Banken eine moderne Form des "Goldstandards". Mit den Bestimmungen von Basel II im Jahr 2007 durfte die Kreditmenge das 40-fache des Eigenkapitals betragen. Das war der Beginn der Deregulierung. Und wenn nach der Finanzkrise von 2008 von der Erhöhung des Eigenkapitals der Banken die Rede ist, kommt erneut "eine harte Kernkapitalquote von sieben bis zehn Prozent als Untergrenze" ins Spiel. Die babylonischen Priester wären zufrieden."


    Wir sortieren das mal.
    1) 8,4% -- Wo kommt das denn her? Macht man sich die Mühe in das Originaldokument zu sehen (also BASEL I) dann finden sich hier (http://www.bis.org/publ/bcbs04ade.pdf) nur die allgemein bekannten 8%.

    2) Interessant wäre aber durchaus die Frage warum 8% -- weiß da jemand was zu?

    3) Wie kommt die gute Frau darauf, dass nach Basel II auf einmal das 40fache möglich ist? Überhaupt kann man das gar nicht sagen, denn wie ein kredit zu unterlegen ist, hängt von der Kreditwürdigkeit des Schuldners ab. Woher also das 40fache?

    4) Kann man Basel I als "Beginn der Deregulierung" bezeichnen? Ob nun erfolgreich, sinnvoll, ausreichend oder nicht, an sich war es doch eine Regulierungsgeschichte und keine Deregulierung

    5) Die Erklärung, dass die Eigenkapitalanforderungen die moderne Variante des Goldstandards sind halte ich für gewagt. Wohl eher sollte man die Sicherheiten bei der Zentralbank nennen. Wenn überhaupt.


    Da ich in Basel-Geschichten und Bankenaufsichtsfragen nicht besonders fit bin, würde ich da gerne Feedback haben.

    Danke schon mal.

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